MBJ-183 Seite 3
von Ralph Engels
Wissenschaft und Forschung
Abb. 2: Übersicht Ergebnisse der DESIR-Kohorte
Fazit
Diese Studie beschreibt erstmals in einer Inzeptionskohorte das radiografische Fortschreiten einer SIG-Arthritis im 10-Jahres-Verlauf. Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu historischen Daten, die eine höhere radiologische Progression angenommen hatten. Dennoch können sich bereits früh im Verlauf im Röntgenbild nachweisbare Veränderungen zeigen. Das Risiko steigt bei Pat. mit MRT der SIG nachgewiesener lokaler Entzündung, insbesondere bei positivem HLA-B27-Status. In einer 10-Jahres-Verlaufsbeobachtung von Pat. mit undifferenzierter SpA, veröffentlicht von Sampano-Barros et al. 2010, wurde eine radiologische Progression von 24% beschrieben. Mit einer Zunahme der radiologischen Destruktion um 8,7% in 10 Jahren und einer nahezu Halbierung auf 4,5% unter TNF-Hemmer-Therapie liegt die Progression in der DESIR-Kohorte deutlich niedriger. Dies dürfte auch auf eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie im Frühstadium der Erkrankung zurückzuführen sein. Ähnliche Befunde finden sich in der 2-Jahres-Auswertung der deutschen GESPIC-Inzeptionskohorte sowie ein protektiver TNF-Hemmer-Effekt auf das radiologische Fortschreiten auch in
der Schweizer Swiss-Quality-Management-Kohorte. Die Befunde der DESIR-Kohorte fokussieren auf entzündliche Veränderungen der SIG ohne Berücksichtigung funktioneller Einschränkungen durch Syndesmophytenbildung (entzündliche Überbrückungen) an der Wirbelsäule. Andererseits konnten bisherige Arbeiten nicht zeigen, dass es ohne radiografische Zeichen einer SIG-Arthritis zu strukturellen entzündlichen Veränderungen an der Wirbelsäule kommt. Abschließend weisen die Autoren auf eine Besonderheit der DESIR-Kohorte hin. Im Gegensatz zu anderen Inzeptionskohorten, die in der Regel mit Pat. aus sogenannten tertiären Versorgungseinrichtungen wie Universitätskliniken oder Spezialambulanzen rekrutiert werden, wurde die Kohorte in Frankreich durch die Zusammenarbeit der französischen Rheumaliga mit der rheumatologischen Fachgesellschaft sowie insbesondere durch Anzeigen, Radiound Fernsehinterviews landesweit bekannt gemacht. Dies könnte dazu geführt haben, dass mehr Erkrankte bereits im Frühstadium erfasst und dank des französischen Gesundheitssystems mit voller Kostenerstattung für Biologikatherapien frühzeitig einer krankheitsmodifizierenden Therapie zugeführt wurden.